1. August 2011 Grussbotschaft an Auslandschweizer

Liebe Schweizerinnen und Schweizer

Für viele von Ihnen ist der Nationalfeiertag ein Moment des Innehaltens und der Besinnung. Wo auch immer Sie gerade sind: Am 1. August pflegen Sie die Traditionen unseres Landes und bestätigen Ihre Bindung an die Schweiz. Das macht diesen Tag zu einem ganz speziellen Anlass. Stolz, Heimatliebe, vielleicht auch Heimweh: all diese Gefühle dürfen am 1. August ausgelebt werden. Nutzen Sie die Gelegenheit und legen Sie Ihre helvetische Bescheidenheit für einen kurzen Moment ab!

Ich kann Ihnen versichern: Ihre Liebe zur Schweiz ist keine Einbahnstrasse. So wie Sie sich unserem Land verbunden fühlen, so nimmt die Schweiz Anteil an Ihrem Leben. Und zwar nicht nur am 1. August, sondern das ganze Jahr über. Die Auslandschweizer, so heisst es oft, seien die „Botschafter" der Schweiz im Ausland. Aber für mich sind Sie mehr als das. Sie verkörpern die Verbundenheit unseres Landes mit der Welt. In Ihrem Alltag leben Sie schweizerische Werte vor. Dank Ihnen erfahren Ihre Mitmenschen mehr über unser Land. Und wenn Sie eines Tages in die Schweiz zurückkehren, profitiert unser Wirtschaftsstandort von den Erfahrungen, die Sie im Ausland gesammelt haben. Für diesen Beitrag zum Wohlergehen unseres Landes danke ich Ihnen.

Meine Damen und Herren

Sie alle wissen es: Die Schweiz lebt seit jeher vom Austausch mit anderen Ländern. In den letzten Jahren aber ist ihre Verflechtung mit der Welt noch stärker geworden. Sie als Auslandschweizer sind der lebende Beweis dafür – gehört doch ein Aufenthalt im Ausland schon fast zum Durchschnittslebenslauf der Schweizerinnen und Schweizer. Entsprechend vielfältig präsentiert sich die „fünfte Schweiz". Der Rentner in Spanien gehört ebenso dazu wie die Studentin in Deutschland, die Bankerin in Singapur ebenso wie der Entwicklungshelfer in Tansania. Ich denke aber auch an die wachsende Zahl von Doppelbürgern, die in vielen Fällen Türöffner für unsere Beziehungen zum Gastland sind. Ihre Offenheit, ihr Interesse an den Mitmenschen in aller Welt und ihre Anpassungsfähigkeit sind wichtige Schlüsseltugenden auf dem Weg zum Erfolg.

Was Ihnen in Ihrem Alltag im Ausland nützt, hat auch der Schweiz immer wieder geholfen. Offenheit und Anpassungsfähigkeit haben dazu beigetragen, dass unser Land die Wirtschaftskrise der letzten Jahre vergleichsweise gut überstanden hat. Heute geht es uns in mancher Hinsicht besser als anderen Ländern. Daraus ergibt sich aber auch eine Verpflichtung: die Verpflichtung zur Solidarität. Die Schweiz hat ihre Solidarität immer wieder unter Beweis gestellt – auch in jüngster Vergangenheit. Denken Sie etwa an den Einsatz der Humanitären Hilfe nach der Atomkatastrophe in Japan oder an das Engagement der Schweiz im Zusammenhang mit den Umbrüchen in Nordafrika und im Nahen Osten. Auf diese solidarische Schweiz bin ich stolz.

Liebe Landsleute

Im Namen des Bundesrates wünsche ich Ihnen von Herzen einen frohen 1. August.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey


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