Geldtransfer ins Ausland

Der Transfer von kleineren Geldbeträgen aus der Schweiz ins Ausland verursacht Auslandsschweizern (und auch Ausländern aus Drittwelt- und Schwellenländern, die ex Schweiz Rücküberweisungen, die sog. "Remittances", an ihre Familien tätigen) häufig hohe Kosten. Die entsprechenden Möglichkeiten und Angebote sind dabei reichlich wenig transparent. Etwas Abhilfe schafft die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) publizierten Merkschrift "Geldüberweisungen aus der Schweiz ins Ausland – Eine Informationsbroschüre für Migrantinnen und Migranten", die auch für Auswanderer lesenswert ist. Aus der die gängigsten Geldtransfermethoden erklärenden Broschüre erlauben wir uns einige kommentierte Hinweise: Prinzipiell kann Geld entweder über Banken, die Post, spezialisierte Geldtransferunternehmen oder online-Zahlungssysteme ins Ausland transferiert werden. 

Am bedeutendsten sind wohl Banküberweisungen. Hierzu ist stets ein Schweizer Bankkonto Voraussetzung, da Laufkundschaft aufgrund der hiesigen Geldwäschebestimmungen keine Auslandsüberweisungen tätigen kann. Trotz SWIFT, SEPA, BIC und IBAN (uws.) fallen die Banküberweisungen angesichts der heute verfügbaren Technologien durch fast archaische Überweisungsdauern auf: SEPA-Zahlungen kommen innerhalb von drei Tagen im Ausland an, übrige Überweisungen innerhalb Europas brauchen 2 bis 5 Tage, nach Ländern ausserhalb Europas oft bis zu einer Woche, vereinzelt gar mehr. Hinsichtlich der Überweisungskosten herrscht zumindest aus Kundensicht wenig Transparenz. Der Dienstleistungspreis setzt sich aus den Ansätzen der Schweizer Bank und allenfalls der (ausser bei SEPA-Zahlungen oft unbekannten) Fremdkosten der Empfängerbank zusammen. Zur Wahl stehen die Optionen Shared Costs (SHA; Überweiser zahlt nur die Dienstleistungsgebühr seiner Bank), Our Costs (OUR; Auftraggeber übernimmt sämtliche Kosten, Empfänger erhält voller Betrag) oder Beneficiary (BEN; alle Kosten werden dem Empfänger vom überwiesenen Betrag abgezogen). Manche Banken bieten indes auch (teils grosszügig bemessene) Fremdkostenpauschalen an. Bei allen Geldhäusern sind über E-Banking erteilte Überweisungsaufträge günstiger als bei alternativ erteilten Ordern. Auch differieren die Gebühren zwischen den Banken in beträchtlicher Weise, wobei Vermögensverwaltungsinstitute meistens höhere Kosten verlangen als Retail-Institute.

Hier einige Beispiele aktueller Überweisungsgebühren: · Basler Kantonalbank: E-Banking SEPA-Zahlung kostenlos; non-SEPA-Zahlung E-Banking 4.-; schriftlicher Zahlungsauftrag mit Formular 10.-; telefonischer Zahlungsauftrag 30.-; Keine Fremdkostenpauschale; • Expresszahlungen: +25.- · Credit Suisse: E-Banking SEPA-Zahlung: 2.-; non-SEPA-Zahlung E-Banking 5.-; schriftlicher Zahlungsauftrag mit Formular 7.- (SEPA) bzw. 10.-; schriftlicher Zahlungsauftrag 12.- (SEPA) bzw. 15.-; Auftrag Telefon/Fax 17.- (SEPA) bzw. 20.-; Fremdkostenpauschale: 18.- (non-SEPA ausserhalb EU-/EWR) bzw. 20.- Raums (non-Sepa nach EU/EWR) · Migros Bank: E-Banking 5.-; schriftlicher Zahlungsauftrag mit Formular 10.-, ohne Formular 15.-; Fremdkostenpauschale: 20.- · Raiffeisenbanken: E-Banking (SEPA) 2.-; E-Banking non-SEPA mit IBAN und BIC 2.-, ohne IBAN und BIC 15.-; E-Banking-Aufträge in exotischer Währung 20.-; schriftlicher Zahlungsauftrag mit Formular 5.- (SEPA sowie non-SEPA mit IBAN und BIC) bzw. 15.- (non-SEPA- ohne IBAN und BIC); Zahlungsauftrag mit Formular in exotischer Währung 20.- ; Keine Fremdkostenpauschale · UBS: E-Banking SEPA 0,30.-; E-Banking non-SEPA- Europa/USA, inkl. Fremdkosten 10.-; E-Banking Zahlungen in alle übrigen Länder 5.-; schriftlicher Zahlungsauftrag mit Formular 10.-; telefonischer Zahlungsauftrag 25.-; Fremdkostenpauschale 20.-; · Zürcher Kantonalbank: E-Banking SEPA kostenlos, E-Banking non-SEPA 4.-; schriftlicher Zahlungsauftrag mit Formular 6.-; Zahlungsaufträge am Schalter, per Telefon oder Fax 20.-; Fremdkostenpauschale 20.-.

Eine Alternative kann die Post, welche auch den internationalen Zahlungsverkehr über das Finanzinstitut PostFinance abgewickelt, darstellen. Ihr Angebot steht sowohl Konto- als auch Laufkunden offen.

Aktuelle Postkonditionen: · Überweisungen: E-Banking Giro international SEPA kostenlos, E-Banking Giro international plus, max. 2 Arbeitstage (non-SEPA-Zahlungen in die EU) 6.-; Giro international weltweit 2.- (E-Banking) bzw. 5.- (schriftlich) oder 12.- (Schalter 12.-): Giro international weltweit prioritär +10.-; Fremdkostenpauschale 10.-; · Barauszahlung im Empfängerland: Cash International (80 Länder) 6.- (E-Banking) bzw. 9.- (schriftlich) bzw. 12.- (am Schalter mit PostFinance-Kundenkarte) bzw. 40.- (bar am Schalter, davon 28.- aus Auflagen zur Bekämpfung der Geldwäsche).

Vorab unter Gastarbeitern sind Geldtransferunternehmen populär. Diese Unternehmen wickeln Auslandsüberweisungen wie folgt ab: Kunden bezahlen den Überweisungsbetrag  bei den Unternehmen oder ihren (hinsichtlich der Geldwäschebestimmungen beaufsichtigten) Agenten (Vertriebspartner wie die Post, Reisebüros, Internetshops oder Kleinläden) bar ein, meistens in CHF. Sie haben detaillierte persönliche Angaben, die Daten des Empfängers sowie eine Auskunft über die wirtschaftliche Berechtigung vorzunehmen. Auch müssen sie auf Anfrage zu Herkunft und Verwendungszweck des Geldes Stellung nehmen. Hiernach hat der Überweiser den Empfänger mit Beleginformationen (z.B. Kontrollnummer) zu benachrichtigen, worauf eine Auslandstelle des Geldtransferunternehmen den Betrag dem Empfänger entweder bar ausbezahlt, auf ein Bankkonto überweist oder nach Hause liefert. Geldtransferunternehmen können bei Bar-Transaktionen die Überweisungen rund um die Uhr oft innert weniger Minuten vollziehen. Dafür fallen satte Kosten an, etwa prozentuale Gebühren sowie etwas verdeckt über die Anwendung ungünstiger Wechselkurse. 

Eine Preisbeispiele: · MoneyGram (16 Agenturen in 7 Städten): Transfer mit Auszahlungsmöglichkeit innert Minuten - bis 150 CHF 13.-; 150-375 CHF 20.-; 375-750 CHF 35.- · Vigo (40 Präsenzen in 20 Städten): Beträge innert 24 Stunden auszahlbereit, Kosten max. 20.- bis 3'000 CHF (ohne Home Delivery) · Western Union (200 Agenten, darunter Postfinace und die Bundesbahnen SBB): Baraufträge, im Ausland innert Minuten verfügbar 20.- (bis 75 CHF), 21.- (75-150 CHF) bzw. 30.- (150-300 CHF); E-Banking via Post 12.- (bis 300 CHF) bzw. 5% des Überweisungsbetrages (300-1'000 CHF).

Allmählich an Bedeutung gewinnen auch sog. online-Zahlungssysteme. Diese Internetsysteme funktionieren entweder über ein via Banküberweisung oder Kreditkarte aufladbares Kundenkonto, das jeweils sowohl der Sender als auch der Empfänger besitzen, oder über Prepaid-Karten. Alle Anbieter dieses untransparenten Marktes geben an, absolut sichere Verschlüsselungstechnologien zu verwenden.

Beispiele: · www.ikobo.com: US-Unternehmen, bei dem der Sender mit einer Kreditkarte Geld überweisen kann. Der Empfänger bezieht das überwiesene Geld mit einer Prepaid Karte an einem Bancomaten. Der Sender übernimmt alle Kosten, mitunter auch die Versandkosten einer Prepaid-Karte an den Empfänger. Die Kosten: Registrierung gratis; Kontoführung 1.- p.M.; Lieferung Visa Prepaid-Karte: 25.- (3-7 Tage) bzw. 12.- (8-14 Tage); Geld einzahlen kostenlos; Geld senden mit Kreditkarte 5.- plus 3% des Überweisungsbetrages; Geld empfangen kostenlos, Geld abheben an Bancomaten 2.- · www.moneybookers.ch: System via Kundenkonti, das für (die ca. 40) Länder, in denen Moneybookers mit einer Bank vor Ort eine Verbindung hat und eine lokale Zahlungsart bietet, recht kostengünstig ist. Kosten: Registrierung und Kontoführung gratis; Geld einzahlen gratis (via Bank) bzw. 1,9% des Überweisungsbetrages per Kreditkarte; Geld senden 1%, maximal aber 0,80.-, Geld empfangen kostenlos; Geld abheben auf Bankkonto oder Kreditkarte 2,90.-, per Check 5,60.-; Transaktionen mit Währungsumrechnung 1,75% Kurs-Spread · www.paypal.ch: EBay-Zahlungssystem, das über gegenseitige Kundenkonten funktioniert. Während Registrierung, Kontoführung, Einzahlungen sowie das Versenden von Geld kostenlos sind, kann der Empfang und die Auszahlung je nach Land kostspielig sein. Transaktionen mit Währungsumrechnung enthalten eine Gebühr von 2,5%.

Abschliessend seien die in über 120 Ländern allgegenwärtigen Bancomaten (weltweit über eine Million) erwähnt. Via Post- oder EC-Karte (Maesto/Cirrus) können die Benutzer im Ausland kleinere Barbeträge am Automaten zu moderaten Konditionen (bis 6 CHF je Bezug) abheben.

EMIGRATION NOW kann zu allen Auswanderungsländern konkrete Hinweise zum Geldtransfer ex Schweiz geben und Institute empfehlen, welche die Transaktionen kostengünstig, zuverlässig und sicher vornehmen.
 


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