Bundesrätliche 1. August-Rede

Liebe Landsleute

Erlauben Sie mir im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen des Bundesrates und in meinem Namen, Sie aus Anlass der Nationalfeierlichkeiten herzlich zu grüssen. 

Trotz der geografischen Distanz zur Schweiz, sind Sie heute zusammengekommen, weil Ihre Beziehungen, die Sie mit der alten Heimat verbinden, aufrichtig und eng sind. Die Qualität dieser Beziehung lässt sich am Engagement für Ihr Herkunftsland erkennen. Ein grosses Engagement: Sie stellten es auch im letzten Herbst unter Beweis, als Sie an den Parlamentswahlen im Oktober noch zahlreicher teilnahmen als bisher. Mehr als 120'000 Stimmberechtigte hatten sich dafür registrieren lassen. Ihr staatsbürgerliches Pflichtbewusstsein und Ihre Teilnahme an den Nationalfeierlichkeiten freuen mich. Sie zeugen von einem Willen, nicht dem Egoismus anheim zu fallen, an die Zukunft Ihres Landes zu glauben und Ihre nationale Identität zu verteidigen.  

Die Schweizer Gemeinschaft im Ausland wird immer grösser. Ich stelle mit Interesse fest, dass die grosse Mehrheit in europäischen Ländern nahe der Schweiz lebt, und dass asiatische Staaten immer mehr unserer Landsleute anziehen. Auf diesem Kontinent hat die Schweizer Präsenz im letzten Jahr am stärksten zugenommen. Die Schweizer werden geschätzt.

Sie gehören zu den mehr als 670'000 Schweizerinnen und Schweizern, die sich für ein Leben ausserhalb der Landesgrenzen entschieden haben. Die Zahl entspricht einem Zehntel der Schweizer Bevölkerung. Sie bringen Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ins Gastland mit, und gehören deshalb zu einer eindrücklichen Legion potentieller Botschafter. Um ihre Position in der Völkergemeinschaft aufzuwerten, braucht die Schweiz gute Freunde, zu denen Sie gehören. Sie verkörpern den offenen Geist, mit dem die Schweiz so gut gefahren ist. Damit entsprechen Sie auch der grossen Mehrheit der Schweizer Bevölkerung im Inland. Auch sie pflegen die Gastfreundschaft in ihrem Alltag, weil sie erkennen, dass die Schweiz nicht nur eigene Leute ins Ausland ziehen lässt, sondern auch von den Erfahrungen und vom Wissen anderer Kulturen profitiert. 

Wir haben viele Ausländer aufgenommen, die zum Reichtum unseres Landes beitragen. Unsere Hochschulen sind offene Institutionen, unsere Spitäler würden ohne ausländisches Personal nicht funktionieren. Ich lade Sie ein, diesem offenen Geist der Auslandschweizer und der Schweizer im Inland heute die Ehre zu erweisen. 

Nun aber Platz für das Fest und die Geselligkeit. Ich wünsche Ihnen eine harmonische Erinnerungs- und fröhliche Nationalfeier. 

Pascal Couchepin
Bundespräsident


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