Steueraspekte

Immer häufiger verlagern (früh-)pensionierte Schweizer ihren Wohnsitz ins Ausland. Es locken unter anderem ein gnädigeres Klima, vielfach günstigere Lebenshaltungskosten und eine neue Herausforderung zum Beginn des dritten Lebensabschnittes. Nach erfolgter Auswanderungsentscheidung stehen häufig finanzielle Fragen im Zentrum der Wegzugsvorbereitungen. Dabei ist steuerlichen Aspekten ein besonderes Augenmerk zu widmen. Ob die künftige Steuerbelastung höher oder tiefer als in der Schweiz ausfallen wird, hängt vom gewählten Zielland sowie von der eigenen finanziellen Situation ab.
 
Im Bereiche der Einkommenssteuern erzielen Auswanderer häufig markante Steuervorteile, wenn sie in Länder ziehen, die nach dem Territorialprinzip besteuern. Solche Länder, so etwa manche lateinamerikanische oder afrikanische Länder, erfassen ausländische Einkünfte nicht, so dass Pensionäre dort bei richtiger Vermögenshaltung fast steuerfrei leben können. Dasselbe gilt für Zuzüger in Länder, die nur Einkünfte, die ins Staatsgebiet transferiert werden, belasten (z.B. Grossbritannien und Thailand) oder überhaupt keine Einkommensteuern kennen (manche karibische Nationen). Ebenso leben Weltenbummler (sog. perpetual traveler) faktisch steuerfrei, indem sie konsequent lokale Steuerpflichten vermeiden, was auch in Hochsteuerländer vielfach bei einem Aufenthalt unter 183 Tagen pro Jahr möglich ist.
 
Das Gros der nicht mehr erwerbstätigen Schweizer Auswanderer zieht es aber ins benachbarte Ausland, wo durchwegs (Ausnahmen: Monaco, Andorra) nach dem Welteinkommensprinzip besteuert wird. Der lokale Fiskus erfasst demnach analog zum Schweizer Vorgehen sämtliche (in- und ausländischen) Einkünfte, erlaubt diverse Abzüge und wendet auf dem Nettoeinkommen zum Teil hohe Steuersätze an. Besonders für die Hochsteuerländer Frankreich und Deutschland lohnen sich Vorabklärungen der mutmasslichen Steuerlast, wenn hohe Renten fliessen oder Wertschriftenbestände (Kursgewinne werden besteuert) deklariert werden müssen. Eine zeitige Auseinandersetzung mit der ausländischen Einkommenssteuer unter Berücksichtigung der Schweizer Doppelbesteuerungsabkommen sowie der lokalen Gestaltungsmöglichkeiten ermöglicht es, dass in den meisten Länder zumindest für Jahreseinkommen unter 100'000 Franken keine höhere Steuerbelastung als beim Beibehalten eines helvetischen Wohnsitzes anfallen sollte. 
 
Aus Schweizer Perspektive ist eine Auswanderung aus vermögensteuerlicher Sicht häufig interessant. Die meisten Länder erheben keine generelle Vermögenssteuer, - so z.B. Deutschland, Italien, Griechenland, Australien, die USA wie auch fast alle Schwellen- und Drittwelt-Länder. Unter den klassischen Auswandererdestinationen gilt dies speziell für Frankreich (progressive Belastung ab einem Vermögen von 732'000 € bis zu einem Höchstsatz von 1,8% bei einem Gesamtvermögen ab 15,225 Mio. €), Spanien (Steuersätze von 0,2% bis 2,5%, Freibetrag 162.273 €, Höchstsatz ab 10,7 Mio. €) und die skandinavischen Länder nicht.      
 
Eine indirekte Belastung des Vermögens ergibt sich in vielen Ländern über den Grundbesitz. Liegenschaften sind typischerweise immobil, so dass die Steuerbehörden gerne darauf greifen. So sind einmalige Steuern (Grunderwerbssteuern, Registersteuern, usw.) beim Kauf, laufende Steuern (etwa Taxe Fonciére und Taxe d'Habitation in Frankreich oder imposta comunale sugli immobili in Italien) und Wertzuwachssteuern beim Verkauf zu vergegenwärtigen. Auch Miet- und Pachterträge werden besteuert. Vielen immobilienbezogenen Steuergesetzen ist eine unumstrittene Komplexität (diverse Steuersätze, Abzugsmöglichkeiten, Freibeträge, Ausnahmen) gemeinsam, so dass der Auswanderer oft gut beraten ist, lokale Steuerberater beizuziehen.    
 
Schliesslich haben sich auswandernde Pensionäre zum Wohle ihrer Erben auch Erbschaftssteuerbelange zu berücksichtigen. Viele Länder kennen zwar keine Erbschaftssteuerpflicht (z.B. Italien, Australien oder wiederum manche Schwellen- und Drittweltländer), manche schonen Ehegatten und direkte Nachkommen und einige belasten Vermögende oder Erben über Gebühr. So können z.B. bei Wohnsitz Frankreich oder Spanien konfiskatorische Belastungen von über 60% anfallen, wenn Personen ausserhalb des Familienkreises beerbt werden. Indes bestehen vielfach Schlupflöcher, die bei versierter Beratung und entsprechenden Gestaltung, zu einer tragbaren Belastung führen können.

Überhaupt geht es für Auswanderer im Steuerbereich grundsätzlich darum, die individuell relevanten Bestimmungen zu identifizieren und zweckgerichtete Massnahmen zu treffen. Dies beginnt bereits in der Schweiz vor dem Wegzug ins Ausland. So muss beispielsweise im Bereiche der Vorsorgeleistungen die folgenreiche Entscheidung "Rente oder Kapitalbezug" gefällt werden. Vielfach drängt sich dabei ein Kapitalbezug auf, weil einerseits Schweizer Renten im Ausland voll besteuert werden können und andererseits bei Frankenzahlung der Auswanderer, der sich in einem anderen Währungsraum bewegt, lebenslang das volle Währungsrisiko tragen muss. Der Transfer des angesparten Vorsorgekapitals ins disponible Vermögen sichert darüber hinaus eine gewisse Flexibilität hinsichtlich Änderungen der Steuerbestimmungen oder Lebenssituationen. Zudem können auch sehr hohe Vorsorgevermögen ab 100'000 Franken bei treffender Gestaltung und Bezug aus dem Ausland zu einem Quellensteuersatz von ca. 4,6% bezogen werden. Eine derart tiefe Steuerbelastung auf den Bezug höherer Vorsorgekapitalien ist bei Schweizer Wohnsitz nicht erzielbar. Zudem kann diese Abgabe bei Neuwohnsitz in diversen Ländern (z.B. Malaysia) nach entsprechender Deklaration voll rückerstattet werden, so dass der Kapitalbezug steuerfrei erfolgt. 
 
EMIGRATION NOW rät allen Auswanderern, welche im Ausland Altersruhe suchen, sich zeitig mit finanziellen und steuerlichen Belangen auseinander zu setzen. Anlässlich unserer Orientierungsgespräche kann der entsprechende Planungs- und Handlungsbedarf abgeschätzt werden. 


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