Singapur

Singapur beherbergt etliche Schweizer Arbeitstätige, die dort einer zumeist auf wenige Jahre befristeten Erwerbstätigkeit nachgehen, zieht aber kaum helvetische Auswanderer an. Trotzdem kann Singapur für nach Asien Ausgewanderte eine bedeutende Stellung einnehmen, z.B. als Airline-Hub, Einkaufsstätte oder als Belegenheitsort von erstklassigen Spitäler und Kliniken. Einen weiteren gewichtigen Attraktivitätspol (nicht nur) für Ausgewanderte bildet der dortige Bankenplatz, der zuweilen als Schweizer Klonangesehen wird. Obschon EMIGRATION NOW Auswanderern generell (Ausnahmen können sich je nach Vermögenssituation und Auswanderungsziel individuell ergeben) empfiehlt, Bankvermögen in der Schweiz verwahren zu lassen, kann das Finanzzentrum Singapur speziell für Asien-Auswanderer durchaus als Alternative geprüft werden, wozu nachfolgende Ausführungen von Nutzen sein könnten. 

 Singapur ist ein südlich von Malaysia gelegener Inselstaat, wo auf 699 km2 Fläche (noch, da Land durch Aufschüttungen gewonnen wird) 4,4 Mio. Einwohner bei tropischem Klima (Durchschnitttemperatur 28,4 Grad, Niederschlag > 2'000 mm p.a.) im wirtschaftlich bedeutenden Zentrum sowie in diversen unspektakulären Satellitenstädten leben. Zum Verständnis des Phänomens Singapur ist ein kurzer Exkurs zur noch jungen Geschichte (Singapur war bis vor 200 Jahren lediglich von Fischern bewohnt) notwendig: 1820 begründete Sir Thomas Stamford Raffles auf der Insel die Präsenz der Handelsvereinigung British East India Company, worauf der zwischen China und Europa günstig gelegene Hafen allmählich an Bedeutung gewann. 1867 wurde Singapur zur britischen Kronkolonie und blieb es, unterbrochen von einer Eroberung durch Japan während des zweiten Weltkrieges, bis 1963.
 
 
 
 
Danach wurde Singapur Teil einer Föderation mit Malaysia, Sarawak und Sabah und schliesslich 1965 als souveräner Staat unabhängig. Schon seit 1959 werden aber Singapurs Geschicke von der People's Action Party (PAP) bestimmt. Diese Partei stellte alle bisherigen Premierminister. Erster Premier war während 31 Jahren Lee Kuan Yew, dessen Wirken die Grundlagen für die heutige wirtschaftliche Prosperität schuf. Die Nation wurde daraufhin von Goh Chok Gong, der Singapur recht erfolgreich durch die Asienkrise balancierte, geführt.
 
 
 
Seit 2004 regiert Lee Hsien Loong, der älteste Sohn des ersten Premiers Lee Kuan Yew, der 1962 folgendes richtungsweisendes Statement kundgab: "Hätte ich in Singapur die absolute Macht und müsste ich die repräsentierten Bürger nicht fragen, ob sie das, was gemacht wird, mögen, dann könnte ich ohne Zweifel viel effektiver in ihrem Interesse regieren". Nun, das von der PAP bestimmte politische System, das autokratische Auftreten ihrer Spitzenvertreter und die weitreichenden Kompetenzen des Premiers (Vetorecht, Bennennung der obersten Richter) eröffnet Singapurs Bürger eine Staatssystem, das zuweilen als autoritärer, clangeführter Einparteienstaat apostrophiert wird. Das PAP-Rezept ist durch äusserst strenge Gesetze, breiter Überwachung und Kontrolle (u.a. der Medien) und weitgehender Bürgertransparenz geprägt. Vor diesem Hintergrund hat eine wirkungsvolle Opposition kaum Chancen, zumal das Gros des Volkes sich mit dem generierten Wohlstand zufrieden gibt und nicht auf umfassendere Freiheitsrechte pocht. So besteht zwar ein latentes politisches Konfliktpotential, doch birgt dieses aktuell keine Stabilitätsgefahren. Auch aussenpolitisch wiegt sich Singapur dank umfassender USA-Protektion in Sicherheit. 
 
Unter PAP-Ägide hat sich Singapur in nur drei Dekaden vom Entwicklungsland zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsnation entwickelt. 2005 wurde ein Bruttoinlandprodukt von 117,9 Mrd. USD (Prognose 06: 130 Mrd. $) generiert, was bei den 4,4 Mio. Einwohnern des dicht besiedelten Landes (ca. 6'100 Einwohner je km2) ein Pro-Kopf-BIP von 26'835 USD ergab. Entstehungsseitig charakterisierte sich das BIP wie folgt: 26,1% verarbeitende Industrie, 15,8% Handel, 12,6% Unternehmensdienstleistungen, 11,8% Finanzdienstleistungen, 10,4% übrigre Dienstleistungen und 3,4% Bauwirtschaft. Tendenziell wächst der tertiäre Sektor zu Ungunsten des primären Bereiches, der aber mit höherem Technologisierungsgrad und bemerkenswerter Innovationskraft (Bsp.: Forschungsstadt Biopolis) qualitativ an Bedeutung gewinnt.
 
 
 
Singapurs Wirtschaft rangiert in den diversen interasiatischen Vergleichsklassierungen stets an vorderster Front und liegt gemäss KPMG-Global-Competitiviness-Index punkto Wettbewerbsfähigkeit weltweit an fünfter Position. Singapurs ökonomische Erfolgsstory begann indes unprätentiös: Neben den hafenbedingten Handelsaktivitäten wurden vorab westliche Ideen, Produkten und Marken kopiert. Das Plagiieren und Nachahmen wurde alsdann Domäne Chinas sowie der benachbarten Niedriglohnländer, so dass Singapur wertschöpfungsreichere Aktivitäten kreieren musste. In verschiedenen Sektoren wurde dabei die Ansiedlung ausländischer Unternehmungen begünstigt. Klare Regeln und Rechtssicherheit, die geringe Korruption, Steuervorteile sowie staatlich gestützte Nachfrage führten dazu, dass internationale Konzerne Fuss fassten und die Aufwertung der lokalen Wirtschaft lancierten. Ein solcher Bereich ist der Bankensektor, wo regulativ das helvetische Vorbild übernommen wurde. Die Gunst der Stunde, vorab der Asienboom, scheint nun speziell im Private Banking dazu zu führen, dass das schweizerische Erfolgsmodell effektiv und effizient nachgeahmt wird.
 
Der Finanzplatz Singapur wird durch die Finanzaufsichtsbehörde Monetary Authority of Singapore (MAS) reglementiert und kontrolliert. Gemäss Internetauftritt verfügt die Behörde über "eine beachtliche Autonomie", wenn auch im Führungsgremium diverse Minister, der Generalstaatsanwalt sowie der frühere Premier Goh Chok Gong sitzen. Gemäss MAS umfasst der Finanzplatz heute 5 lokale Geschäftsbanken, 103 ausländisch beherrschte Geschäftsbanken (davon 24 Universalbanken, 35 sog. Wholesale Banks und 44 Offshore-Banken), 49 Investmentbanken, 43 Repräsentanzen ausländischer Banken, 178 lizenzierte Finanzdienstleister, 65 bewilligte Finanzberater, 21 lizenzierte Trustunternehmen, 160 Versicherer, 63 Versicherungsbroker sowie etliche andere Finanzakteure (Devisenhändler, Geldwechsler und -überweiser, Money Brokers, Clearing Häuser, Finanzgesellschaften, usw.). Hinsichtlich der Banken führen wir nachfolgend eine Firmenauswahl an, welche die Internationalität des Bankenplatzes aufzeigen soll:
 
ABN AMRO Bank NV; ABSA Bank; American Express Bank; ANZ Bank; Arab Bank plc; Banca di Roma; Banca Monte dei Paschi di Siena; Banca Nazionale del Lavoro; Bank Austria Creditanstalt; Bank Julius Baer (Singapore); Bank of America; Bank of America Singapore; Bank of China; Bank of China (Hong Kong);Bank of India; Bank of Montreal; Bank of New Zealand; Bank of Taiwan; Bank Pictet & Cie (Asia); Bank Sarasin-Rabo Asia; Barclays Bank PLC; Bayerische Hypo-und Vereinsbank AG; Bayerische Landesbank; BDL Banco di Lugano (Singapore); Bear Stearns Singapore Pte; BNP Paribas Private Bank; BNP Paribas SA; BSI Bank; Bank Berhad; Calyon; Chang Hwa Commercial Bank; Chiao Tung Bank Co; CIBC Asia; Citibank NA; Clariden Bank; Commerzbank (South East Asia); Commerzbank AG; Commonwealth Bank of Australia; Crédit Agricole (Suisse);Crédit Agricole Indosuez; Crédit Lyonnais (Singapore); Credit Suisse; Credit Suisse First Boston (Singapore); Daiwa Securities SMBC Singapore; DB International (Asia); DBS Bank; Deutsche Bank AG;Development Bank of Japan HVB (Singapore); Dexia; Dresdner Bank AG; Dresdner Kleinwort Wasserstein (South East Asia) L; DVB Group Merchant Bank (Asia); DZ BANK AG; EFG Bank; Coutts Bank von Ernst ; Fortis Bank (Nederland) NV; Fortis Private Banking Singapore; Habib Bank; Hana Bank; Hang Seng Bank; HL Bank; HSBC Bank USA; HSBC Investment Bank Asia; HSBC Private Bank (Suisse) SA; HSH Nordbank; Indian Bank; ING Asia Private Bank ; International Commercial Bank of China; Japan Bank for International Cooperation; JP Morgan Chase Bank; JP Morgan Securities (SEA); Korea Exchange Bank; Land Bank of the Philippines; Landesbank Baden- Württemberg; Lloyds; Lloyds TSB Bank Plc; Malayan Banking Berhad; Merrill Lynch International Bank; Mitsubishi Securities; Mizuho Trust & Banking Co; Morgan Stanley; Moscow Narodny Bank; N M Rothschild & Sons (Singapore); Natexis Banques Populaires; National Australia Bank; National Bank of Kuwait; National Westminster Bank Plc; Nomura Singapore; NORD L/B Norddeutsche Landesbank Girozentrale; Nordea Bank Danmark A/S; Nordea Bank Finland; Nordea Bank Norge; Nordea Bank Sweden; Philippine National Bank; PT Bank Danamon Indonesia Tbk; Rabobank Asia, Rabobank International; Raiffeisen Zentralbank Österreich AG; Sanpaolo IMI SpA; SG Private Banking (Asia Pacific); Shinhan Bank; Skandinaviska Enskilda Banken (South East Asia); Société Générale; Societe Generale Asia (Singapore); Southern Bank Berhad; Standard Chartered Bank; Standard Merchant Bank (Asia); State Bank of India; Sumitomo Mitsui Banking Corporation; Svenska Handelsbanken SA; The Agricultural Bank of China; The Bank of East Asia; The Bank of New York; The Bank of Nova Scotia; The Hongkong and Shanghai Banking Corp.; The Korea Development Bank; The Mitsubishi Trust and Banking Corp; The National Commercial Bank; The Norinchukin Bank; The Northern Trust Company; The Royal Bank of Scotland; The Siam Commercial Bank; The Sumitomo Trust & Banking Co; The Toronto-Dominion Bank; UBS; UniCredito Italiano SpA; Union Bancaire Privée (Singapore); Union de Banques Arabes et Françaises; WestLB, WestLB Asia Pacific; Westpac Banking Corporation; WGZ-Bank Westdeutsche Genossenschafts-Zentralbank; Woori Bank.
 
Singapur hat wohl frühzeitig erkannt, dass die führenden asiatischen Finanzplätze (Tokio, Hongkong) nicht wirklich umfassend konkurrenziert werden können und dass China und Indien (speziell Shanghai und Mumbai) künftig im asiatischen Universalbankgeschäft auch ein gewichtiges Wort mitreden werden. Deswegen fokussierte sich der Inselstaat geschickt auf das gehobene Privatkundengeschäft, indem er die Global Player des privaten Vermögensverwaltungsgeschäftes durch Schaffung eines regulativen Umfeldes nach Schweizer Vorlage anzog. Mit Erfolg: Denn heute betragen die in Singapur verwalteten Privatvermögen bereits (geschätzte) 210 Mrd. UDS., wobei diese Kapitalien mehrheitlich von Auslandsbanken betreut werden, da es lokalen Instituten im Wealth Management an Erfahrung und internationaler Anziehungskraft mangelt. So wundert es kaum, dass auch im singapurischen Private Banking Citigroup, HSBC, Credit Suisse und UBS marktführend sind. Trotzdem ist die Sektordynamik massiv, auch kleinere Privatbanken fassen schnell Fuss und können weitere Expansionspläne schmieden. Denn derzeit ist schnelles Wachstum angesagt: Während die Kundengelder momentan um über 15% p.a. ansteigen, werden weltweit Bankspezialisten angeheuert (derzeit sehr breites Jobangebot, Abwerbekämpfe und Gehaltshausse), spezifische Ausbildungsangebote geschaffen (so wurde u.a. ein Wealth Management Institute geschaffen, wo Banker nicht nur den Umgang mit den finanziellen Bedürfnissen Vermögender, sondern auch landesspezifische Etiketten erlernen), Seminare organisiert und allerlei Konferenzen zu Bankthemen gehalten. Gestützt wird dieses Wachstum durch eine Klientel mit bunt gemischter Herkunft: Vermögende aus den umliegenden Länder (z.B. Thailand, Malaysia), Neureiche aus Indien und China, Araber speziell aus den Golfländern, die in Asien geschäftlich erfolgreichen Auslandsinder, steuerverdrossene Ozeanier sowie auch Europäer. Letztere berücksichtigen den Standort übrigens nicht erst seit der Einführung der Zinsbesteuerung. Gemäss einer internen Studie der Schweizerischen Bankiervereinigung sind die verwalteten Vermögen in Singapur zwischen 1992 und 2001 ums Achtfache gestiegen, wobei die Vermögen aus Europa mit 27% den zweitgrössten Anteil nach Asien (35%) stellten (heute verwalten alleine UBS und CS zusammen rund 12 Mrd. USD an europäischen Privatvermögen). Gleichsam wie in den Blütezeiten des offshore-Banking in der Schweiz spielen indes Diskretions- und Steueraspekte die entscheidende Scharnierrolle, wenn auch die Singapurer Banker mehr bieten müssen als Exzellenz in der Mittelmässigkeit, Performanceaspekte sind heutzutage nicht mehr nebensächlich. Singapur gilt diskretionsmässig als absolut dicht, zumindest aus nichtamerikanischer Sicht. So eröffnet sich für potentielle Neukunden die Frage, ob diese Sonderrolle auch langfristig behauptet werden kann. Manche meinen, es sei nicht nur eine Frage der Zeit, bis die umliegenden asiatischen Länder das singapurische Bankgeheimnis attackieren werden. Auch ist ab 2012, wenn die verbleibenden europäischen Bankgeheimnisse neu diskutiert werden, EU-seitiger Druck zu erwarten. Ferner lässt sich in diesem Zusammenhang der Schweizer Standpunkt, wonach auch Singapur und Hongkong in die Zinsbesteuerung gedrängt werden sollen, erwähnen (so erzwang u.a. die Schweiz einen Passus im Memorandum of Understanding zur Zinsbesteuerung, wonach sich die EU zu bemühen hat, Singapur und Hongkong mit ebenbürtigen Massnahmen zu belasten).
 
Trotzdem: "Es ist undenkbar, der internationalen Spitzengruppe unserer Branche ohne ein starkes Team in Südostasien anzugehören" meinte kürzlich ein CEO einer Schweizer Vermögensverwaltungsbank anlässlich der Eröffnung einer Niederlassung im Stadtstaat. In der Tat sind die namhaftesten Schweizer Privatbanken in Singapur präsent (neben den oben aufgelisteten lizenzierten Banken führen ABN AMRO Bank (Switzerland), AIG Private Bank, Banque de Depot et de Gestion, Dresdner Bank (Schweiz), LGT Bank in Liechtenstein sowie Rotschild Bank eine Repräsentanz) und weitere planen kurz- bis mittelfristig eine Ansiedlung. Alle Schweizer Geldhäuser betonen dabei die Chancen und Dynamik des Marktes, den sie mit ihrer Tradition, Kultur und Bekanntheit bearbeiten möchten. Als Beispiel wollen wir die markante Präsenz der Credit Suisse (CS) etwas näher unter die Lupe nehmen. CS ist seit 1971 in Singapur vertreten und beschäftigt heute etwa 2'800 Personen. Singapur ist der Sitz der regionalen Division Private Banking und das operative Zentrum des Investment Banking für ganz Südostasien. Auch führt CS ein Credit Suisse Center of Excellence, das die Aktivitäten der Credit Suisse rund um die Welt mit seinen Dienstleistungen unterstützt, sowie gar eine Credit Suisse Business School für angehende Banker. Im Private Banking arbeiten über 500 Personen und bieten u.a. Anlageberatung und Vermögensverwaltung, Finanzierungen sowie Trust- und Treuhandservices an. Wer ab der hitzigen Hektik Singapurs etwas überfordert ist, kann über den Concierge Service von Credit Suisse Assist medizinische Dienstleistungen (Ärzte, Evakuierungen, usw.) oder Lifestyle Services (Reise- und Businessunterstützung, Privatflugzeug- und Limousinenbuchungen, Hotel- und Restauranttipps, usw.) nachfragen. Womöglich brauchen aber Kunden schweizerischer Singapur-Banken gar keine spezifische Assistenz, etwa weil sie in vertrauter Umgebung ex Schweiz betreut werden.
 
Auch in Singapur gilt "Diskretion über alles": Das gesetzlich im Banking Act 2001, Abschnitt 47, verankerte Bankgeheimnis entspricht tel quel dem schweizerischen Pendant. Einzig die Sanktionen bei dessen Verletzung sind etwas schärfer formuliert, nämlich Haftstrafe bis zu 3 Jahren und/oder Busse bis zu 125'000 S$. Im Unterschied zur Schweiz wird keine Amtshilfe bei Steuerbetrug geleistet, ebenso keine Rechtshilfe in Fiskalangelegenheiten, so dass Steuersünden stets unter den vollen Diskretionsschutz fallen. Das Bankgeheimnis wird auch nicht über den Geldwäscherei-Umweg ausgehebelt, wie wir einem Vortrag des Geldwäschebekämpfungsexperten Prof. Mark Pieth (Uni Basel) entnehmen: "Solange Singapur vorab als Hort der Vermögen ethnischer Minoritäten der Nachbarstaaten diente, sah sich der Stadtstaat, angesichts der Belastung der Region mit Drogenhandel, Korruption usw., kaum in der Lage, ein effizientes Geldwäsche-Abwehrsystem zu schaffen. Parallel zu den Ambitionen, zu einem der ersten "private banking hubs" in Südostasien zu avancieren, wurden auch die internationalen Erwartungen erhöht: Nach einer vernichtenden Kritik der FATF hat Singapur (ähnlich wie Liechtenstein) praktisch sein ganzes straf- und finanzaufsichtsrechtliches Geldwäscheabwehrsystem überholt, um auf den Weltstandard zu gelangen. Auf dem Papier ist dies weitgehend gelungen (mit Ausnahme des Rechtshilferechtes). Zum neuen Recht gibt es bisher aber kaum Praxis und weder die MAS noch die in Singapur ansässigen Banken sind bereit, mit Aussenstehenden über ihre konkreten Umsetzungsbemühungen zu sprechen. Die Kultur der „secrecy“, gerade bezüglich der Rechtsanwendung, ist noch ungebrochen. Im Zentrum steht für Singapur ein überragendes Interesse: Den Ruf des Finanzplatzes zu schützen, komme was wolle".
 
 
 
Praktische Aspekte zum Singapur-Banking: · Zeitunterschied: Gegenüber der mitteleuropäischen Zeit liegt Singapur 7 (im Sommer 6) Stunden voran, was die telephonischen Kontaktmöglichkeiten einschränkt. Allerdings bieten manche Institute Erreichbarkeit durchgehend oder bis Mitternacht Lokalzeit an · Schalterstunden: 9.30-15.00/16.00 wochentags, 9.30-11.30 samstags · Konti: Generell in Singapur-Dollar, US-Dollar, Euro und Yen erhältlich, z.T. auch in Währungen der nahe gelegenen Länder oder des Bankherkunftslandes · Kreditkarten: Von den gängigsten Anbietern in verschiedenen Varianten und Referenzwährungen erhältlich. Private-Banking-Kunden erhalten zumeist Platinum-Karten. Apropos: Inhaber einer Platinum-Kreditkarte von Citibank können in Singapur seit kurzem per Fingerabdruck Geld abheben oder in ausgewählten Geschäften bezahlen! Die Praxisumsetzung dieses biometrischen Bezahlkonzeptes, das mehr Bequemlichkeit und Sicherheit verspricht, ist weltweit ein Novum dar · Zinsen in S$: Ca. 2% für Spareinlagen, 3-4% für Festgelder, > 7% für Kredite · Bankgebäude: Topmodern und funktional eingerichtet, kein Platz für Extravaganzen · Internet-Banking: Gehört zum Standardangebot aller Institute · Bankberater: Dynamisch, emsig und jung (Durchschnittsalter etwa 35 Jahre). Auffallend im Vergleich zur Schweiz ist der deutlich höhere Frauenanteil an der Kundenfront. ·
 
 
 
 
Private-Banking-Mindestengagements: Ähnlich wie in der Schweiz werden Mindestanlagen von 0,5 oder 1 Mio. USD (bzw. Gegenwert) gefordert. Zur Erlangung einer europäischen Betreuung sind indes zuweilen deutlich höhere Engagements notwendig. Bei manchen Instituten erfolgt zudem eine zwei oder gar dreistufige Kundendifferenzierung nach Vermögenshöhe · Steuern: Steuerausländer können die Vermögensverwaltung frei von lokalen Steuern gestalten. Es werden keine Stempelsteuern erhoben, im Erbschaftsfall erfolgen keine Meldungen an Steuerbehörden · Kosten: Gegenüber helvetischen Ansätzen liegen Depotgebühren, Courtagen und sonstige Bankkosten im Durchschnitt etwa 20% günstiger · Investment-Know-how: Angesichts der mannigfaltigen Opportunitäten, die Asien, speziell Südostasien und China weiterhin bieten werden, dürfte in Singapur diesbezüglich spezifischeres Anlagewissen vorhanden und nutzbar sein. Auch der Stadtstaat selbst bietet interessante Investitionsmöglichkeiten, speziell in Handel, Elektronik, Biotechnologie, Schiffsbeteiligungen und Immobilien. Bei letzteren dürften Deregulierungen im Immobilienmarkt und Steuervergünstigungen sowie konjunkturelle Aspekte für Auftrieb sorgen, speziell im Bereiche der Büros und kommerziell genutzten Flächen. Neben Immobiliengesellschaften und Baufirmen stehen derzeit gut 40 Real Estate Investment Trusts (die zwingend 90% der Erträge auszuschütten haben) zur Auswahl, wobei bis 2010 weitere 40-50 REITs-Neugründungen erwartet werden · Trusts: Die strengen Regulierungen und deren unerbittliche Umsetzung machen Singapur zu einem geeigneten Trusterrichtungsstandort, insbesondere für Settlors, welche potentielle Missbräuche von Trustees stets im Hinterkopf halten.
 
Fazit: Singapurs Bankenwelt bietet in einem Umfeld der Stabilität und Rechtssicherheit die Möglichkeit zu vollends diskreten Bankgeschäften, die durchaus helvetische Standards erreichen und teilweise übertreffen. Förderlich sind dabei die wirtschaftliche Dynamik der Region, deren Opportunitäten sowie die bemerkenswerte Motivation der dort Beschäftigten. Zudem können Diversifikationsüberlegungen, Kostenaspekte und Innovationsgründe für Singapur sprechen. All diese Vorteile lassen sich angesichts der breiten Präsenz helvetischer Institute mit den traditionellen Vorteilen des Swiss Banking paaren. EMIGRATION NOW kann sowohl Asien-Auswanderern als auch übrigen Singapur-Banking-Interessierten die konkreten Singapurer Angebote einiger (Deutsch-)Schweizer Banken, eventuell auch bei physischer Betreuung ex Zürich, präsentieren oder empfehlen.


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