Perpetual Traveler

Immer häufiger registriert EMIGRATION NOW Wünsche nach Unterstützung durch Auswanderer, die sich in verschiedenen Länder unserer Erde aufhalten werden und dabei nirgends einen festen Wohnsitz begründen möchten. Es handelt sich hierbei einerseits um Personen mit mehreren ausländischen Domizilen, die turnusgemäss genutzt werden, sowie andererseits um Abenteurer, die über Jahre (z.B. per Segelschiff, Yacht, Wohnmobil) die Welt bereisen wollen. Zudem sind auch mobile und vermögende Interessenten zu erwähnen, die aus steuerlichen Gründen ihren Lebensstil derart anpassen möchten, dass keine Einkommens- und Vermögenssteuerlasten anfallen.
 
Aus der Warte der direkten Besteuerung ist ihre Idee bestechend einfach: Durch Dauerreisen unter Berücksichtigung der Steuerpflichtregeln der Aufenthaltsorte jegliche unbeschränkte Steuerpflicht vermeiden. So sehen z.B. manche Steuerhoheiten, z.T. selbst bei selbst genutztem Immobilienbesitz, eine Steuerpflicht erst ab einem Aufenthalt von 183 Tagen (aufeinanderfolgend - je Kalenderjahr - jahresübergreifend - über zeitlich gewichtete Berechnungen) vor. Wer z.B. den Frühling in den USA, den Sommer in der Schweiz, den Herbst in Italien und den Winter in der Karibik als Tourist verbringt und nirgends resident ist, kann allen unbeschränkten Steuerpflichten entgehen. Dieser (inoffizielle) Status des sog. Perpetual Traveler ist für nicht erwerbstätige Privatiers unter Umständen durchaus realisierbar, bedarf aber sorgfältiger Vorabklärungen und ist im Einzellfall stets gegenüber einer ständigen Wohnsitznahme (in einem steuergünstigen oder -freien Land) abzuwägen.
 
Zu den Abklärungen gehört zunächst einmal die Eruierung der Regelungen, welche die (unbeschränkten) Steuerpflichten in den jeweiligen Aufenthaltsländern begründen. Wer z.B. die Aufenthaltsdauern, die Touristen üblicherweise ohne weiteres gewährt (1-3 Monate) werden, einhält, kann i.d.R. ein steuerfreies Dauerreisen geniessen. In manchen Ländern sind auch längere Aufenthaltsdauern gestaltbar. Bei Dauerreiseabsicht kann dagegen die Abmeldung am Orte des letzten Wohnsitzes in der Schweiz problematisch sein. So wird etwa eine Abmeldung infolge einer auch überjährigen Weltreise oft nicht hingenommen, weil keine Absicht des dauernden Verbleibs im Ausland besteht. Heikel im Hinblick auf eine steuerliche Verabschiedung als Perpetual Traveler kann sich auch der Besitz von eigenen Wohnstätten, die für Kurzaufenthalte oder Ferien freigehalten werden, entpuppen. Hier anhängend könnte die Steuerbehörden sich auf den Standpunkt stellen, dass die helvetische Wohnstätte den Ort des Lebensmittelpunktes darstellt, zumal ja im Ausland für Dauerreisende kein solcher zu identifizieren ist. In solchen Fällen sind eine zweckorientierte Aufgleisung des Vorhabens sowie das Sammeln von Beweisen, welche die helvetische Steuerpflicht entschärfen, unabdingbar, denn die tatsächlichen Verhältnisse des Einzelfalles werden ausschlaggebend sein.             
 
Doch nicht nur in steuerlichen Belangen bedingt Dauereisen eine umfassende Vorbereitung. Denn stets gilt es für eine Reihe von aussersteuerlichen Sachverhalten Lösungen zu finden, die je nach Einzelsituation u.U. akrobatische Massnahmen bedingen, die manchmal auch aufgrund einer Kosten-/Nutzenabwägung dazu führen, dass trotz des Dauerreisens ein (steuergünstiger) Hauptwohnsitz im Ausland etabliert wird. Hierzu eine Auswahl von Fragen, die an Orientierungsgesprächen regelmässig fallen: Wo wird der helvetische Pass verlängert? Was geschieht bei Passverlust? Wo werden Fahrzeuge eingelöst und wie werden diese versichert? Wie lässt sich eine Privathaftpflichtversicherung abschliessen? Wie sind Bankgeschäfte zu gestalten? Welche Kredit- und Debitkarten lassen sich einsetzten? Kann Vorsorgekapital bar ausbezahlt werden? Was ist bei Renten zu beachten? Welche grundsätzlichen Vorsorgemassnahmen sind zu treffen, wenn ein Beitritt zur freiwilligen AHV aufgrund des fehlenden Wohnsitzes und ohne Immatrikulation verunmöglicht wird?


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